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Flammeninferno im Krefelder Affenhaus

 

In der Silvesternacht hat ein Brand das Affenhaus des Krefelder Zoos verwüstet; alle darin lebenden Menschenaffen kamen ums Leben. Die Ursache ist noch unklar, nach Medieninformationen könnten aber Feuerwerkskörper den Brand ausgelöst haben. Dazu kommentiert James Brückner, Leiter des Referats für Natur- und Artenschutz beim Deutschen Tierschutzbund:

 

„Wir sind geschockt und fühlen mit den Tierpflegerinnen und Tierpflegern im Krefelder Zoo, die letzte Nacht ihre Schützlinge verloren haben. Sollten wirklich Feuerwerkskörper den Brand verursacht haben, wäre dies ein schrecklicher Beleg dafür, welche dramatischen Folgen unkontrollierte Böllerei haben kann. Zumindest rund um Bereiche, in denen viele Tiere leben – und dazu zählen natürlich auch Zoos – braucht es dringend Schutzzonen, in denen private Silvesterfeuerwerke untersagt sind. Selbst todbringende Brände können sonst nicht ausgeschlossen werden – egal ob es sich um Zoos, Tierheime oder landwirtschaftliche Betriebe handelt. Wir hoffen nun für alle Beteiligten auf eine schnelle Aufklärung der Tragödie in Krefeld.“

Aktionshinweis: Am 18.01.2020, um 12:00 Uhr findet in Berlin am Brandenburger Tor die Demo "Agrarwende - Anpacken" statt. Themen z.B. Für artgerechte Tierhaltung und weniger Fleischkonsum u.v.m. Um mehr zu erfahren klickt auf das Bild oben (Link).

 

Arme Schweine im Klassenzimmer

Zusammengepferchte Hühner auf dem Gitterrost und Kälbchen ohne Mama - sollte man Kindern die oft gar nicht bullerbühafte Welt der Tiere in Schulen vermitteln? Besuch in der Tierschutz-AG

Man hat schon schlimmere Bilder gesehen aus deutscher Tierhaltung als jene, die Melanie Reiner den neun Mädchen und vier Buben an einer Münchner Mittelschule gerade zeigt. Schweine im eigenen Kot, Hühner auf dem Gitterrost, verwahrloste Kühe. Aber sie verfehlen ihre Wirkung nicht. Reiner zeigt noch ein Video: Kälbchen, von der Mutterkuh getrennt, hungrig. "Ich find' das sehr, sehr traurig", sagt eines der Mädchen. "Ich find' nicht gut, dass kleine Kälbchen von der Mutter getrennt werden. Die haben auch viel zu wenig Platz zum Spielen und da hat jeder ein Recht drauf."

Etwa zehn bis zwölf Jahre alt sind die Kinder, die hier in einer Tierschutz-AG etwas über "Umgang und Pflege von Tieren" lernen sollen, wie es auf den Webseiten der Schule heißt.

Melanie Reiner ist Mitgründerin und Geschäftsführerin der Tierrechtsorganisation Animals United. Sie hat auf Lehramt studiert und außerdem an einer Weiterbildung des Deutschen Tierschutzbundes zur Tierschutzlehrerin teilgenommen. Mit dem Unterricht möchte sie eine "informierte Haltung" der Kinder gewährleisten. "Ich möchte den Kindern überhaupt nicht vorschreiben, wie sie zu leben haben, was sie dürfen und nicht dürfen." Auch gehe es ihr nicht darum, grausame Bilder zu zeigen, sondern darum, "Informationen weiterzugeben".

Die Kinder warnt sie dann auch schon mal vor, wenn die Bilder schlimme Zustände zeigen: "Jetzt kommen Bilder, die Euch vielleicht traurig machen", kündigt sie in solchen Fällen an. Wer das nicht mag, soll dann lieber die Augen zumachen. Wenn sie aber nichts zeige, fürchtet Reiner, würden die Kindern zuhause selbst googeln - und unbegleitet auf noch Schlimmeres stoßen.

Man müsse darauf achten, dass die Kinder nicht mit einer zu großen Last aus dem Unterricht gingen, sagt auch Maja Masanneck, Leiterin des Referats für Kinder- und Jugendtierschutz beim Deutschen Tierschutzbund. "Muss man einen plattgefahrenen Igel zeigen oder einen Igel vor einem Reifen? Wir plädieren für Letzteres."

Kinder und Eltern verändern ihr Kaufverhalten

Die Rückmeldungen der Teilnehmer zeigen laut Masanneck Begeisterung und auch ein verändertes Kaufverhalten, etwa bei Eiern. In seinen Lehrgängen hat der Deutsche Tierschutzbund etwa 140 Interessierte wie Lehrer oder Tierärzte, meist aus Nordrhein-Westfalen und Süddeutschland, weitergebildet. Fünf Module umfasst der achtmonatige Lehrplan, darunter "Heimtiere" und "Tiere in der Landwirtschaft".

35 der Lehrer stammen aus Bayern, wie Simone Fleischmann angibt, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes. Die Lehrer könnten die Kinder nicht zu Tierschutzexperten ausbilden, "weil wir das selber nicht draufhaben". Es sei aber nur zu begrüßen und "wunderbar, wenn Experten die Schule bereichern". Dass auch Kritik am Tierschutz-Unterricht geübt werden könne, sei klar.

"All diese Themen, die ein Stück weit ethisch sind und eine bestimmte Lebensweise abbilden, laufen immer Gefahr, durch Vermittlung anzuecken." Da könne es passieren, dass Eltern sich bei der Essensauswahl bevormundet fühlen, wenn die Kinder auf einmal Vegetarier sein wollen. Tatsächlich gehen die Kinder in Reiners Tierschutz-AG schon einen Schritt weiter. "Ich esse nicht so viel Käse", sagt Alexandra. "Ich will, dass jedes Tier ein tolles Leben hat und nicht gleich geschlachtet wird wie die Kälbchen." "Käse esse ich eigentlich fast gar nicht", sagt auch Lajla. "Ich finde, dass Tiere auch Rechte haben wie Menschen." "Ich habe mir vorgenommen, andere Milch zu trinken", kündigt die elfjährige Helena an.

Woher kommt die Sojamilch? "Vom Sojatiier?"

Reiner zeigt inzwischen Fotos von Tieren, denen die Kinder verschiedene Lebensmittel zuordnen sollen. Eier, Aufstrich, Sojamilch - von welchem Tier kommt das? "Sojatier?" Pizza Margherita - "was ist da vom Tier drauf?", fragt Reiner. "Nichts!", glaubt einer der Buben.

Zwischen den Kindern wuselt Maya, Reiners Hündin, die einst in Ungarn auf der Straße lebte. Später stehen die Kinder mit bloßem Fuß auf drei Stiften. Au! "Warum machen wir das? Genau, damit wir uns mal in die Lage versetzen von den Tieren", erklärt Reiner und zeigt ein Foto von Hühnern, dicht gedrängt auf dem Gitterrost. "Die Hühner, die schwächer sind, vielleicht schüchterner, die müssen die ganze Zeit auf dem Gitter bleiben." Und warum werden nicht alle Tiere auf der Blumenwiese gehalten? Die Kinder wissen, was der Grund sein kann: "Weil nicht alle so viel Geld haben." Reiner rät: "Im Supermarkt sieht man, wie billig die Produkte sind. Es ist wichtig, dass wir darauf achten, was wir einkaufen."

Doch was sagen die Bauern zum Tierschutzunterricht? Verständlich, dass der Deutsche Tierschutzbund seine Position vermitteln wolle, heißt es beim Bayerischen Bauernverband. "Aus unserer Sicht ist wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler ausgewogen und auf der Basis wissenschaftlicher Erkenntnisse informiert werden", findet Andrea Fuß, Geschäftsführerin der Landfrauengruppe im Verband. "Tierschutz ist den Bäuerinnen und Bauern ein zentrales Anliegen und sie praktizieren ihn tagtäglich bei ihrer Arbeit mit den Tieren."

Mit dem Projekt "Landfrauen machen Schule" bietet der Verband seinerseits Schulkindern die Möglichkeit, sich die Tierhaltung auf Höfen anzusehen. Um Indoktrination gehe es nicht, betont Tierschützerin Masanneck: Jeder müsse für sich selbst entscheiden. "Und Kinder sind nicht dazu da, Probleme der Erwachsenen zu lösen."
(Martina Scheffler, dpa)

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